M340i (G20, EZ 2020) – Motorschaden bei 100.000 km durch defekten Turbolader, Kulanz nur 40 % der Teilekosten

  • Hallo zusammen,

    ich dokumentiere hier meinen aktuellen Fall, weil ich beim Suchen kaum etwas Vergleichbares gefunden habe und die Zahlen für andere vielleicht relevant sind.


    Fahrzeug

    BMW M340i xDrive, G20, Erstzulassung 2020, Laufleistung 100.475 km. Motor B58. Gewartet wurde ausschließlich beim BMW Vertragshändler, alle Intervalle eingehalten, mehrere davon bewusst vor der Fälligkeit. Keine Fremdeingriffe, keine Leistungssteigerung, keine Modifikationen am Antriebsstrang.


    Was passiert ist

    Das Fahrzeug ist bei meinem BMW Vertragspartner. Die Diagnose dort: Der Turbolader ist defekt. Durch das Versagen sind Metallspäne in den Ölkreislauf gelangt und haben den Motor mitgenommen. Ergebnis ist ein Motorschaden, der einen Austauschmotor beziehungsweise eine größere Instandsetzung erfordert.

    Veranschlagte Kosten: rund 25.000 Euro.


    Stand beim Thema Kulanz

    Über die Werkstatt wurde ein Kulanzantrag bei der BMW AG gestellt. Das aktuelle Angebot liegt bei 40 Prozent der Teilekosten, umgerechnet etwa 7.000 Euro. Die kompletten Arbeitskosten sind nicht enthalten. Mein Eigenanteil läge damit bei rund 18.000 Euro.

    Ich habe die BMW AG inzwischen angeschrieben und um eine erneute Prüfung gebeten. Sobald es eine Rückmeldung gibt, ergänze ich sie hier.


    Was ich ausdrücklich sagen möchte

    Mein BMW Vertragspartner, das Autohaus Raymond Götz in Hohenbrunn, macht seine Sache hervorragend. Diagnose, Kommunikation und Betreuung waren von Anfang an transparent, verständlich und wirklich bemüht. Meine Kritik richtet sich ausschließlich an die Kulanzentscheidung der BMW AG, nicht an den Betrieb vor Ort. Das ist mir wichtig, damit hier nichts durcheinandergerät.


    Meine Fragen an euch

    1. Hatte hier schon jemand einen Turboladerschaden am B58, insbesondere im G20?
    2. Falls ja: Gab es Metallspäne im Ölkreislauf und einen Folgeschaden am Motor?
    3. Welche Kulanzquoten habt ihr bei ähnlicher Laufleistung und lückenloser Vertragswartung bekommen? Teile plus Lohn oder nur Teile?
    4. Ist jemandem eine technische Kampagne oder Servicemaßnahme zum Turbolader dieser Baureihe bekannt?

    Ich bin für jede Erfahrung dankbar. Ich halte den Thread aktuell und schreibe auch dazu, wenn sich die Sache am Ende positiv löst.

    Danke und Grüße

  • Also ich hatte bei einer anderen Marke vor vielen Jahren bei ähnlicher Laufleistung ein ähnliches Schadensbild, Lader Welle gerissen und Motor mitgenommen, weil Öl raus gesaugt. Habe zum Glück noch eine Garantie gehabt aber musste aufgrund KM noch 50% Material selbst zahlen, so 9 Scheine minus Kulanz noch 7 Scheine. Habe mich auch beschwert, nix zu machen. Du hast wohl keine Garantie verlängert? Großer Fehler bei einem Auto mit empfindlicher Technik. Dass du bei der KM überhaupt so viel Kulanz bekommst, spricht für die AG.

  • eibacher

    Ja, eine Garantieverlängerung hatte ich tatsächlich nicht – im Nachhinein wäre das sicherlich sinnvoll gewesen.

    Trotzdem sehe ich den Fall etwas anders. Mir ist bewusst, dass 100.000 km keine geringe Laufleistung sind und BMW hier überhaupt Kulanz anbietet. Dennoch bin ich der Meinung, dass ein solches Schadenbild bei einem BMW M340i bei gerade einmal 100.475 km nicht einfach als normales Risiko dieser Laufleistung abgetan werden sollte – insbesondere nicht bei einem lückenlosen Scheckheft und konsequenter Wartung ausschließlich bei BMW Servicepartnern.

    Ich habe das Fahrzeug wirklich bei jeder Wartung und bei jedem Problem ins BMW-Vertragsnetz gebracht und mich damit bewusst für die Marke und deren Service entschieden. Sämtliche vorgeschriebenen Wartungen wurden fristgerecht durchgeführt. Gerade deshalb hätte ich erwartet, dass BMW diese Kundenloyalität bei einem derart gravierenden Schaden entsprechend berücksichtigt.

    Für mich ist entscheidend, dass hier nicht irgendein Verschleißteil bei 100.000 km ausgetauscht werden muss, sondern ein defekter Turbolader letztlich einen rund 25.000 € teuren Motorschaden verursacht hat.

    Ich möchte BMW daher auch gar nichts unterstellen und bin grundsätzlich froh, dass überhaupt Kulanz angeboten wurde. 40 % der Teilekosten empfinde ich unter diesen Umständen allerdings noch nicht als eine angemessene Beteiligung. Ich hoffe deshalb, dass BMW den Fall noch einmal individuell betrachtet und insbesondere auch die Arbeitskosten berücksichtigt.

  • Wie bist du denn gefahren? Warm und kalt oder einfach drauf? LC benutzt? Hat BMW das ausgelesen? Soweit ich informiert bin, speichert das Auto wenn du kalt zu hoch drehst, und auch Anzahl LCs. Eventuell hilft es wenn du bei BMW Beschwerde machst und sachgemäßen Gebrauch nachweist.

  • eibacher

    Ich habe das Auto wirklich gehegt und gepflegt. Es wurde immer ordentlich warm- und auch kaltgefahren und nie im kalten Zustand belastet. Getankt wurde grundsätzlich mindestens Super Plus. Das Fahrzeug stand zudem immer in der Garage, wurde jährlich professionell aufbereitet und selbstverständlich ausschließlich per Hand gewaschen.


    Ob BMW die entsprechenden Daten ausgelesen hat, weiß ich aktuell nicht genau. Das werde ich aber auf jeden Fall noch erfragen.

    Deshalb ist das Ganze für mich auch so frustrierend und ehrlich gesagt nicht nachvollziehbar. Bei der Pflege, der lückenlosen Wartung im BMW-Vertragsnetz und dem wirklich sehr sorgsamen Umgang mit dem Fahrzeug hätte ich niemals mit einem solchen Schaden bei gerade einmal 100.475 km gerechnet. Ich hoffe daher sehr, dass BMW bei der Kulanzentscheidung auch berücksichtigt, dass hier offensichtlich kein unsachgemäßer Umgang oder mangelnde Wartung vorliegt.

  • Ein Schaden bei der Laufleistung ist in der Tat ungewöhnlich - meist geht der Turbo sehr viel früher kaputt oder aber sehr viel später (Badewannenkurve). Man könnte also überlegen, ob es Faktoren gibt, welche zum vorzeitigen Turboladerschaden geführt haben.

    Die BMW AG wird im Rahmen der Kulanzanfrage mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die vom Händler zur Verfügung gestellten FASTA-Daten ausgewertet haben, eh sie überhaupt zu der Zusage einer Kulanz gekommen ist.

    Darf ich fragen, wie sich der Turboladerschaden geäußert hat? Anschließend kapitaler Motorschaden oder läuft er noch aber man hat Glitzi im Öl festgestellt und Späne im Filter? Rein aus Neugierde: Welches Öl bist du gefahren und wie lange war das im Motor?

    Ich würde im weiteren Kontakt mit der BMW AG defensiv, aber bestimmt auftreten. Enttäuschung durchaus äußern, ohne jedoch ins Emotionale abzudriften. Als letzten Ausweg kannst du ja mal (ggf. mit dem Händler) reden, ob man dir ein gutes Angebot für einen Tausch gegen einen Neuwagen machen könnte - aktuell sind da schon ohne irgendeine besondere Voraussetzung Nachlässe im Bereich 27-30% drin.

  • sepplmail

    Der Turboladerschaden hat sich bei mir ziemlich plötzlich bemerkbar gemacht. Ich war gerade auf dem Weg zu meinem regulären Service-Termin, als auf einmal blauer Rauch aus dem Auspuff kam und der Wagen an einer Ampel abgestorben ist. Ich bin daraufhin natürlich sofort rechts rangefahren und habe das Fahrzeug abschleppen lassen.


    Das Interessante dabei ist, dass das Auto bis dahin keine einzige Fehlermeldung angezeigt hat – weder Motorkontrollleuchte noch irgendeinen anderen Warnhinweis. Wie lange der Turbolader bereits vorgeschädigt war, kann ich daher nicht sagen, da ich außer dem plötzlich auftretenden blauen Rauch keinerlei Anzeichen bemerkt hatte. Der Turbolader-Spool hat sich auch komplett normal angehört.


    Der Motor läuft aktuell noch, allerdings wurden Späne im Öl festgestellt und das Öl im Ölfiltergehäuse war extrem glitzrig. Ich habe davon auch ein Video, auf dem man das sehr deutlich erkennen kann, kann es hier allerdings leider nicht hochladen, weil die Datei zu groß ist.


    Gefahren habe ich ein 0W-30 von Liqui Moly, konkret das Top Tec 6100 mit BMW LL-04 Freigabe.


    Ich habe inzwischen auch bereits eine E-Mail an die BMW Kundenbetreuung geschickt. Dabei habe ich bewusst sachlich die Fakten geschildert und meine Enttäuschung über die bisherige Kulanzregelung zum Ausdruck gebracht, ohne dabei emotional abgedriftet zu sein.


    Die Option mit einem Neuwagen von BMW würde ich mir grundsätzlich überlegen. Allerdings bin ich mir momentan ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich wieder einen BMW fahren möchte. Gerade weil ich der Marke über Jahre sehr loyal gegenüber war, das Fahrzeug immer im BMW-Vertragsnetz warten ließ und entsprechend gepflegt habe, fühlt sich die bisherige Kulanzregelung für mich schon etwas enttäuschend und ehrlich gesagt auch ein Stück weit wie ein Vertrauensbruch an.

    Ich hoffe deshalb sehr, dass BMW bei der erneuten Prüfung noch einmal deutlich auf mich zukommt. Das würde für mich auch zeigen, dass die bisherige Kundenloyalität entsprechend wertgeschätzt wird.

  • Was für ein Fahrprofil hatte das Auto sowie welches Öl ?

    Was Kulanz angeht, kann ich leider auch nichts gutes von BMW berichten. Allgemeine Serviceabarbeitung wenn es um Mängel / mögliche Kulanz geht, ist sehr schlecht und abstoßend. Ist mein erster BMW, bzw. unfallbedingt zweiter G20, aber sogesehen seit 09/20 BMW G20. Aufgrunddessen, wird es beim nächsten mal vielleicht ein anderer Hersteller. Vieles hat bei denen nicht mehr mit Premium zu tun, auch designtechnisch, aber bleiben wir mal hier nur beim Service/Kulanz etc.

    e: Öl seh ich gerade, 0w30... halte ich ja nichts von und bspw. H2 Motors wird da mit dem Kopf schütteln wenn du das sagst.

    Ich würde dran bleiben, B58 soll normalerweise ein sehr robuster Motor sein, dass der bei 100tkm flöten geht im Serienzustand ist ein Unding. Beste gegebenheiten mit dem Öl hatte er ja schonmal nicht, daher wäre Fahrprofil noch interessant. Würde aber dran bleiben und mich bei der Kundenbetreuung von BMW beschweren.

  • Oje, das tut weh!

    Ich habe das Auto wirklich gehegt und gepflegt. Es wurde immer ordentlich warm- und auch kaltgefahren und nie im kalten Zustand belastet.


    Hast du Start-Stopp konsequent deaktiviert?
    Wenn es aktiv ist, kann es zum Abschalten des Motors kommen, der vorher höher belastet worden ist, was den Turboladern nachweislich schadet.