optimiertes G2x Intake - von der Entwicklung bis zur Fertigung

  • Uff, das ist ein Brett. Ich habe auch eher mit ca. 400€ gerechnet. 500 würde ich vielleicht zähneknirschend hinnehmen, wenn das Leistungsdiagramm entsprechend aussagekräftig ist und der Kasten zulassungsfähig wäre. Aber darüber hinaus bin ich auch raus.

  • Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass viele Kunden 800Euro für einen Kunststoffkasten ohne Zulassung ausgeben.

    Da würde ich persönlich gleich zum bereits erwähnten Eventuri Carbon Ansaugsystem greifen. Tatsächlich geht es dem Großteil bei solchen Änderungen hauptsächlich um die Optik und ein wenig Sound.


    Wünsche euch dennoch weiterhin viel Erfolg! ;)

  • Danke euch erstmal für das offene Feedback. Gerade die Diskussion über den Preis finde ich wichtig, weil ich nachvollziehen kann, dass 799 € für einen Luftfilterkasten erstmal eine Hausnummer sind.


    Vielleicht muss ich deshalb noch etwas genauer erklären, warum sich die Fertigungsplanung gegenüber dem ursprünglichen Gedanken verändert hat.
    Wir haben von Anfang an kommuniziert, dass wir nach der Entwicklungsphase eigentlich in ein eigenes Werkzeug und die RIM-Fertigung gehen wollten. Das war auch weiterhin der Plan.


    Der Punkt ist nur: Wir haben in den letzten Jahren gerade bei unserem N57-Luftfilterkasten sehr viel darüber gelernt, was bei einem solchen Werkzeug tatsächlich alles dahintersteckt.

    Beim N57 dachten wir anfangs auch, dass der Weg zum eigenen Werkzeug relativ geradlinig sein würde. In der praktischen Umsetzung haben wir dann gemerkt, wie viel Entwicklung noch in den Werkzeugbau und vor allem in eine zuverlässige und reproduzierbare Fertigung einfließen muss. Teilweise mussten wir das Werkzeug mehrfach anpassen bzw. neu aufbauen, bis das Ergebnis wirklich so funktioniert hat, wie wir es uns vorgestellt haben.


    Das war für uns im Nachhinein extrem lehrreich.

    Und genau dieses Wissen wollten wir beim G2x nicht ignorieren.


    Wenn wir jetzt für den G2x ein eigenes Werkzeug bauen, würden wir das deutlich umfangreicher und durchdachter angehen als ursprünglich geplant. Das ist technisch sicherlich der richtige Weg – gleichzeitig steigen dadurch aber Werkzeugkosten, Entwicklungszeit, Kapitalbindung und das Risiko, dass wir bei späteren Geometrieänderungen wieder viel Aufwand ins Werkzeug stecken müssen.

    Deshalb haben wir uns jetzt entschieden, zunächst den Weg über industrielles SLS-Lasersintern in hochwertigem PA12 zu gehen.


    Damit können wir die inzwischen fertige Konstruktion direkt in Serie bringen, bleiben bei Änderungen flexibel und können parallel weitere Produkte entwickeln, ohne für jedes neue Bauteil sofort erhebliche Summen in Werkzeuge investieren zu müssen.


    Und genau deshalb ist der aktuelle Preis von 799 € auch nicht der Preis, mit dem wir ursprünglich gerechnet hatten.

    Mit einer späteren eigenen RIM-Fertigung wären wir bei entsprechender Stückzahl natürlich in einer ganz anderen Kalkulation.


    Wir überlegen deshalb aktuell intern sogar noch einen weiteren möglichen Weg:

    Eine Form zumindest teilweise bzw. vollständig additiv im 3D-Druck aufzubauen, anstatt direkt mit einem klassischen, aufwendig gefertigten Werkzeug zu starten.

    Ob das bei dieser Geometrie technisch und wirtschaftlich sinnvoll umsetzbar ist, müssen wir noch genau prüfen. Aber genau solche Möglichkeiten sind mit der heutigen additiven Fertigung interessant, weil man dadurch eventuell einen Mittelweg zwischen teurem klassischem Werkzeugbau und relativ hohen Stückkosten im SLS finden kann.


    Und damit sind wir eigentlich wieder bei dem Punkt, den einige von euch angesprochen haben:

    Wenn die Nachfrage nach dem G2x-Intake entsprechend groß wird, kann sich ein anderer Fertigungsweg plötzlich rechnen.

    Nehmen wir beispielsweise einmal hypothetisch an, wir hätten hier 20 verbindliche Abnehmer, die das Intake für etwa 499 € nehmen würden.

    Dann wäre das für uns eine völlig andere Ausgangslage und wir könnten intern konkret prüfen, ob wir über eine alternative Werkzeuglösung – beispielsweise eine additiv gefertigte Form – die Stückkosten entsprechend herunterbekommen.


    Das wäre für uns natürlich deutlich interessanter, als direkt ein sehr teures Werkzeug zu bauen und dann nicht zu wissen, ob am Ende 10, 20 oder 100 Stück davon verkauft werden.

    Deshalb haben wir aktuell auch die Vorbestellphase für 699 € gestartet. Der reguläre Preis liegt bei 799 €, aber die ersten Stückzahlen möchten wir bewusst zu einem niedrigeren Preis ermöglichen und gleichzeitig ein Gefühl dafür bekommen, wie groß die tatsächliche Nachfrage ist.


    Technisch ist die Entwicklung inzwischen soweit abgeschlossen, dass wir fertigen können.

    Und noch einmal zum Thema Vergleich mit anderen Systemen:

    Ich würde gar nicht behaupten, dass ein anderes Intake grundsätzlich nicht funktioniert. Es gibt offene Systeme, größere Rohre, Konusfilter, geschlossene Carbon-Systeme usw. – und jedes Konzept hat seine Berechtigung.


    Unser Ansatz war von Anfang an einfach ein anderer:

    Wir wollten den gesamten Luftweg innerhalb des vorhandenen Bauraums entwickeln und nicht nur Filter und Rohr größer machen.


    Deshalb haben wir 3D-Scan, Topologieoptimierung, CAD und CFD miteinander kombiniert und die Geometrie auf eine möglichst effiziente Strömungsführung ausgelegt. Die bisherige CFD-Gegenüberstellung zeigt dabei unter identischen Randbedingungen bis zu rund 20 % weniger Druckverlust gegenüber der Referenzauslegung und etwa 20 % mehr Innenvolumen. Der Filter wurde dabei ebenfalls berücksichtigt.

    Ob daraus im realen Fahrzeug letztlich genau die Leistung entsteht, die man sich davon verspricht, müssen natürlich reale Messungen zeigen. Das ist für uns der nächste interessante Schritt.


    Und genau deshalb dokumentieren wir den ganzen Weg hier.

    Wir wollen nicht einfach ein Produkt hinstellen und behaupten, es sei das Beste. Wir zeigen lieber, wie wir es entwickelt haben, welche Entscheidungen wir treffen und auch, wenn sich ein ursprünglich geplanter Fertigungsweg durch neue Erkenntnisse verändert.


    Für uns als kleine Firma ist das am Ende eine Mischung aus Technik, Erfahrung und wirtschaftlicher Vernunft.

    Und wenn die Nachfrage hier tatsächlich groß genug wird, wäre es natürlich ziemlich cool, wenn wir gemeinsam den nächsten Schritt Richtung 499-€-Variante möglich machen könnten. 😉


    Gruß Robin

  • Danke für deine ausführliche Antwort.


    Aus unternehmerischer Sicht lässt sich deine Argumentation nachvollziehen. Aus Endkundensicht weiß man natürlich nicht, was man am Ende gegen eine nicht geringe Menge Geld bekommt.


    Wenn wir Leistungsdiagramme vorgestellt bekommen (Original Ansaugung vs Revdrop Ansaugung vs optimierter Motor mit originaler Ansaugung vs Revdrop optimierter Motor mit Revdrop Ansaugung und da nicht nur 2, 3, 4 PS Differenz zu erkennen sind, können wir nochmal über die 399€ Variante sprechen oder 499€ mit Zulassung. ;)

    Zu 99,9% rufe ich bei meinem Auto ohnehin nur unter 100PS ab.

    Und WENN ich dann tatsächlich mal drauflatsche, macht es vermutlich ohnehin keinen spürbaren Unterschied, ob ich 4 PS mehr oder weniger durch eine besondere Ansaugung zur Verfügung habe. Es wäre also fast nur der "nice to have" Gedanke, den ich persönlich, mir keine 600, 700 oder gar 800 € kosten lassen würde.