Spurverbreiterung

  • Ich glaube, genau da liegt der Punkt, der einen Laien wie mich zunächst verwirrt. :saint:


    Bei den unterschiedlichen Sommer-/Winterrädern sind Felgenbreite und ET vom Hersteller aufeinander abgestimmt. Das Rad kann also trotz anderer Reifenbreite entsprechend positioniert sein.


    Eine Spurplatte dagegen verschiebt das komplette Rad zusätzlich nach außen – im Prinzip wie eine entsprechend kleinere ET.


    Spur und Sturz ändern sich dadurch zwar nicht automatisch. Was sich aber ändert, sind die Position des Rades, die Spurweite und damit auch die Hebelverhältnisse an Achse und Lenkung.


    Was mich dabei zunächst irritiert hat: Bei der Achsvermessung wird ja die Stellung bzw. Ebene des Rades erfasst. Durch die Spurplatte wandert diese Ebene zwar nach außen, sie wird aber zunächst nur parallel verschoben. Auch wenn das Rad also z. B. mit 0,1° Vorspur steht, bleiben diese 0,1° geometrisch erst einmal erhalten.


    Damit verstehe ich auch, warum man nach dem bloßen Wechsel zwischen freigegebenen Sommer- und Winterrädern nicht jedes Mal neu vermessen muss.


    Trotzdem ist für mich „205er Winterreifen statt 255er Sommerreifen“ nicht ganz dasselbe wie „gleiches Rad plus Spurplatte“. Bei der Spurplatte werden Spurweite und Hebelverhältnisse bewusst verändert. Und gerade beim G20, der auf kleine Abweichungen teilweise ziemlich mimosenhaft reagieren kann, könnte ich mir vorstellen, dass sich das unter realer Belastung über Lagerelastizitäten usw. durchaus im Fahrverhalten bemerkbar macht – obwohl die statisch gemessenen Spur- und Sturzwerte gleich geblieben sind.

  • Naja aber du ändert ja Spur/Sturz/Nachlauf nicht durch eine breitere Felge..


    Ansonsten müsstest du ja bei der Eintragung von anderen Felgen immer ein Vermessungsprotokoll vorlegen. Besonders wenn man sieht wie viele hier die Edelweiß fahren die sowohl VA als auch HA deutlich breiter sind als Serie und da passt auch alles ohne Vermessung. Anders sieht es aus bei einer Tieferlegung.

  • Es kommt doch drauf an, was man erreichen will:


    Spurplatten ändern erstmal nichts an Sturz, Spur und Nachlauf, aber es gibt noch andere Variablen in der Fahrwerksgeometrie. Und die werden eben durch Spurplatten schon beeinflusst bzw. geändert.

    Von daher kann man zwar eine Achsvermessung vorher/nachher machen und wenn ordentlich verbaut, sollte da auch nichts anderes rauskommen. Dennoch ändert sich das Fahrverhalten durch eben geänderte Fahrwerksgeometrie, die bei einer normalen Achsvermessung nicht mit dabei ist.

  • Okay, ich dachte halt, dass die „Originalmitte“ für die komplette Achsgeometrie extrem wichtig ist. :saint:


    Mein Gedanke war deshalb: Wenn eine Spurplatte das komplette Rad nach außen verschiebt und die Felgenmitte nicht mehr auf der ursprünglichen Position liegt, müsste man Spur bzw. Sturz eigentlich entsprechend darauf „anpassen“.
    Bei einer breiteren Felge hatte ich das anders gesehen, weil die Felge je nach Breite und ET weiterhin um diese ursprüngliche Position herum sitzen kann.


    Mein Denkfehler war also wohl, dass ich die seitliche Position des Rades mit dem Winkel des Rades zur Fahrzeuggeometrie vermischt habe. Eine Spurplatte verschiebt das Rad zwar nach außen, verändert dadurch aber nicht automatisch Spur oder Sturz.


    Der Hintergrund war bei mir auch, dass mein BMW-Serviceberater damals die Spurplatten im Zusammenhang mit den Vibrationen mit im Verdacht hatte. Dadurch hatte sich bei mir wohl zusätzlich festgesetzt, dass die veränderte Radposition geometrisch eine größere Rolle spielen müsste.


    Unbenannt.jpg


    "Serie" und "Breitere Felge" gleichen die Originalmitte durch ET aus ... auch wenn nicht pixelgenau hier im Schaubild so dargestellt.

  • Und wenn du dir jetzt auf deinem Bild noch ein gekipptes Rad (Spur bzw. Sturz) vorstellst, wirst du sehen, dass die Spurplatte daran nichts ändert.

    Allerdings ändert sich halt der Lenkrollradius, Hebelkräfte usw. was wiederum natürlich Einfluss auf die Fahreigenschaften hat.

  • Allerdings ändert sich halt der Lenkrollradius usw. was wiederum natürlich Einfluss auf die Fahreigenschaften hat.

    Genau, offen ist für mich vor allem noch die Frage, ob sich die durch Spurplatten veränderte Radposition und durch die dadurch veränderten Fahreigenschaften langfristig irgendwie bemerkbar macht – etwa beim Reifenverschleiß oder durch ein ungleichmäßiges Abfahren. Gerade bei xDrive wäre das für mich interessant, weil daraus bei unterschiedlichen Abrollumfängen zwischen den Rädern möglicherweise weitere Probleme entstehen könnten.


    Bei meinem E46 hatte ich rund 20 Jahre lang Spurplatten verbaut, allerdings nur an der Hinterachse und bei reinem Heckantrieb. Probleme mit Vibrationen oder Ähnlichem hatte ich damit nie, auch wenn die Reifen hinten ungleichmäßig abgefahren waren.


    Mich würden hier deshalb weniger theoretische Überlegungen interessieren, sondern vor allem eure Langzeiterfahrungen: Habt ihr über viele Kilometer irgendwelche Nachteile bei Laufruhe, Reifenverschleiß, Fahrverhalten oder Haltbarkeit festgestellt? Oder war das bei euch dauerhaft völlig unauffällig?

    VG
    Christoph

  • Spurrillenempfindlichkeit nimmt jedenfalls merkbar zu. Und Verschleiß durch Mehrbelastung ist auch ein Thema. Aber das wird man vermutlich nie genau sagen können, ob jetzt irgendein Teil kaputt gegangen ist, weil Spurplatten verbaut waren oder es auch so hinüber wäre.