Leichte Lenkradvibrationen

  • Bei meinem waren die Vibrationen am deutlichsten auch ab 120km/h und es war die Kardanwelle. Allerdings, war es egal, ob unter Last, im Neutral oder Schub.

    Was häufig bei den G30/31 (Fünfer), unter Last der Fall ist, ist der verschlissene Verbindungsflansch der Kardanwelle zum Differenzial. Da gibt es aktuell sogar einen Rückruf 0026520100 , bei dem der fortgeschrittener Verschleiß geprüft und bei Bedarf die Kardanwelle getauscht wird.

    Es gibt jedoch im Netzt auch Fälle, wo es G20/21 betrifft.

    In deinem Fall müsste man die Vibrationsfrequenz nach "Christoph-Verfahren" messen. Die Kardanwelle dreht fast dreimal so schnell, als die Antriebswellen. Dann hätte man Gewissheit, oder man hätte die Kardanwelle(Flansch) ausschließen können.

    Meiner Erfahrung nach, verursachen die Antriebswellen Vibrationen wenn:

    1.Der Wagen bereits einiges (50 000km+) gelaufen ist (die laufen ein, bzw. die Rollen schaffen auf der Lauffläche Verschleißrillen), dann eine Tieferlegung bekommt und die Rollen quasi neben der "gewohnten" Rille laufen müssen, diese jedoch auch mal überlaufen. Das gibt's sich jedoch meistens nach 5-10tkm und die Vibrationen beim Beschleunigen bereits bei Geschwindigkeiten <30-50km/h anfangen.

    2. Wenn die Lager vom Differenzial zu viel Spiel haben und entsprechend auch die Antriebswellen, die darin stecken.

  • Kennt jemand eine Adresse in der Schweiz, wo man so eine NVH Messung durchführen lassen kann?

    Selbst wenn du so eine NVH-Messung irgendwo machen lassen kannst, wird BMW am Ende vermutlich sagen, dass sie mit dem Ergebnis nichts anfangen können. Dann wird zwar ein Ticket mit deinen Messdaten eröffnet, aber wahrscheinlich schaut sich das niemand wirklich im Detail an. Der Support findet in seiner Fehlerdatenbank keinen passenden Eintrag und arbeitet anschließend wieder den üblichen Suchablauf ab – was letztlich oft darauf hinausläuft, auf Verdacht Teile zu tauschen.


    Vibrationsanalyse bedeutet in BMW-Werkstätten meiner Erfahrung nach eher „Hand auflegen und schauen, ob bzw. wo etwas vibriert“. Eine wirkliche Analyse der Schwingungsfrequenzen und Schwingungsstärken, anhand derer man Rückschlüsse auf die Ursache ziehen könnte, findet dagegen nicht statt.


    Die NVH-Diagnose lief bei mir im Prinzip so ab, dass der Azubi hinten ins Auto gesetzt wurde und schauen sollte, wo es seiner Meinung nach am stärksten vibriert. Das ist dann halt eine etwas andere Art von „Messtechnik“ – vor allem, wenn eigentlich nur das Lenkrad vibriert.


    Letztendlich wäre das Ganze trotz allem eigentlich relativ einfach zu analysieren. Bei mir lag bzw. liegt das Hauptproblem eher daran, dass ich keine Hebebühne oder Grube habe. Die bräuchte man, um die Sensoren unten am Fahrzeug vernünftig und reproduzierbar befestigen zu können.


    Und selbst wenn ich sage: Die vordere Kardanwelle, das Vorderachsgetriebe, die Antriebswellen, das Lenkgetriebe sowie Lenkwelle und Lenkrad vibrieren exakt mit einer Frequenz, die zur Kardanwellendrehzahl passt, bleibt immer noch ein weiteres Problem: Auch ein neu eingebautes oder gebrauchtes Ersatzteil kann selbst wieder einen Schlag oder eine Unwucht haben. Dann dreht man sich bei der Fehlersuche im Kreis.


    Ein Kumpel von mir hatte genau so einen Fall bei seinem M4. Dort war die Kardanwelle krumm. Sie wurde gegen eine neue ersetzt, aber das Problem war danach immer noch da. Erst nachdem die Kardanwelle ein zweites Mal getauscht wurde, waren die Vibrationen verschwunden.


    Bei mir ist das Problem nach dem Tausch des Vorderachsgetriebes entstanden und konnte bis heute nicht mehr behoben werden. Was soll der Mechaniker in so einer Situation auch groß machen, wenn er zwar Teile tauschen soll, aber selbst gar nicht messen kann, darf oder soll, ob das neu eingebaute Teil tatsächlich in Ordnung ist? Genau dadurch kann man bei solchen Problemen ewig im Kreis tauschen, obwohl sich die Ursache mit einer vernünftigen NVH-Messung eigentlich ziemlich gut eingrenzen ließe.


    Wenn du Pech hast, liegt es am Ende sogar an mehreren Bauteilen gleichzeitig. Wenn man dann immer nur nach dem Prinzip „Vibration da oder nicht da“ beurteilt, kommt man natürlich auch nicht besonders weit.


    Das Einzige, was bei mir messtechnisch tatsächlich eine erkennbare Verbesserung gebracht hat, war der Tausch der Radnaben. Danach waren die Vibrationen etwa 20–25 % geringer. Dafür hatte ich anschließend in einem niedrigeren Geschwindigkeitsbereich zusätzliche neue Vibrationen, wo vorher alles ruhig war. Also alles noch einmal schön verschlimmbessert.


    Aber mei, was soll man machen? Wie soll man einen kompletten Antriebsstrang ohne vernünftige Messtechnik wieder sauber zusammenbekommen? Das ist ungefähr so, als würde man versuchen, Räder ordentlich auszuwuchten, darf dabei aber keine Wuchtmaschine benutzen.


    Ich hab’s inzwischen aufgegeben – Plan B ist in Bearbeitung …


    VG

    Christoph