Einleitung Vibrationen
Viele beschreiben ihr Problem zunächst nur allgemein als Vibration, ohne genauer sagen zu können, wo, wann und in welchem Bereich sie auftritt. Für eine sinnvolle Einordnung sind jedoch genauere Angaben wichtig. Deshalb habe ich euch Möglichkeiten zusammengestellt, mit denen sich Vibrationen am Fahrzeug einfacher und möglichst objektiv erfassen und beschreiben lassen.
Mit einer kostenlosen App und ein paar einfachen Berechnungen lassen sich Auffälligkeiten deutlich besser einordnen, ohne dass dafür teures NVH-Equipment nötig ist. So muss man sich nicht nur auf eine subjektive Vermutung verlassen, sondern kann oft schon gut unterscheiden, ob die Ursache eher bei Rad/Reifen, im Achs- bzw. Wellenbereich, im Antriebsstrang oder am Motor liegt.
Ich möchte das Ganze so einfach erklären, dass man auch ohne spezielles Vorwissen etwas damit anfangen kann. Ziel ist, dass ihr mit dem Smartphone Frequenzen messen und diese über Geschwindigkeit, Ordnung und eine Vergleichstabelle einem wahrscheinlichen Ursachenbereich zuordnen könnt. So lassen sich Auffälligkeiten deutlich besser eingrenzen – zumal solche Messungen im Werkstattalltag nicht immer verfügbar sind.
Für das Thema Geräusche / Schallmessungen habe ich zusätzlich einen separaten Thread erstellt.
Inhaltsverzeichnis
Grundlagen
- Kurze Einordnung
Messung vorbereiten
- App herunterladen
- Smartphone und App prüfen
- Testlauf
- Smartphone als Sensor sicher befestigen
Messung verstehen
- Wasserfall-Diagramm kurz erklärt
- Beispiel aus dem Wasserfall-Diagramm
- Bezeichnungen und Ordnungen verstehen
Messung einordnen
- Excel-Tabelle zur schnellen Einordnung
- Herleitung der Berechnung
- Beispielrechnung und Zuordnung
- Messergebnisse sinnvoll posten
- Wichtiger Hinweis
1. Kurze Einordnung
NVH steht für Noise, Vibration, Harshness und beschreibt Geräusche, spürbare Schwingungen und den daraus entstehenden Gesamteindruck im Fahrzeug.
In diesem Thread geht es vor allem um Schwingungen, also mechanische Vibrationen, die man zum Beispiel am Lenkrad, Sitz oder Boden spüren kann.
Zur groben Orientierung:
- 10–30 Hz: Wummern oder Schütteln
- 30–60 Hz: Vibrieren
- 60–100 Hz: Übergang zu Brummen
Wichtig ist dabei nicht nur die Frequenz in Hz – also wie oft etwas pro Sekunde schwingt –, sondern auch die Amplitude, also die Stärke der Schwingung, zum Beispiel als Beschleunigung in m/s².
Zur Veranschaulichung habe ich ein Schaubild erstellt, das typische Vibrationsverläufe aus verschiedenen Bereichen zeigt, zum Beispiel Rad/Reifen, Achs- bzw. Wellenbereich, Antriebsstrang und Motor.
Die Farben stellen dabei direkt die Einordnung der Schwingungsstärke dar – vereinfacht gesagt also, wie stark die jeweilige Vibration ausfällt.
Farben im Diagramm:
- Grün = unauffällig, im normalen Bereich
- Orange = spürbar, bereits leicht bis deutlich wahrnehmbar
- Rot = deutlich störend, in der Regel nicht mehr normal und oft ein Hinweis auf ein technisches Problem oder einen Defekt
Zusätzlich ist eine blaue Linie eingezeichnet. Diese zeigt einen ungefähren Grenzbereich, bis zu dem man noch von einem reinen Komfortproblem sprechen kann.
Zur groben Orientierung kann man die Stärke der Vibration so bewerten:
- 0,0 – 0,1 m/s²: praktisch nicht spürbar
- 0,1 – 0,3 m/s²: leicht spürbar, meist noch unkritisch
- 0,3 – 0,6 m/s²: deutlich spürbar, je nach Fahrzeug bereits störend
- 0,6 – 1,0 m/s²: klar störend, hier sollte die Ursache genauer geprüft werden
- 1,0 – 2,0 m/s²: stark störend, häufig liegt bereits eine technische Auffälligkeit vor
- 2,0 – 3,0 m/s²: sehr starke Vibration, deutlicher Hinweis auf eine technische Ursache, einen Defekt oder eine Unwucht
- > 3,0 m/s²: extrem, im normalen Fahrbetrieb in der Regel nicht mehr plausibel
Wichtig: Diese Werte sind nur eine grobe Orientierung. Je nach Fahrzeug, Bauart, Geschwindigkeit und Messort kann die Wahrnehmung variieren.