Hallo zusammen,
ich habe mir neulich mal den Spaß gemacht und mein Gran Coupé (G26 430d xDrive) rein rational mit dem 3er Touring (G21) verglichen. Eigentlich erfreue ich mich jeden Tag an dem Auto, aber wenn man die rosarote Design-Brille mal kurz absetzt, kommt man schon ins Grübeln.
Obwohl man für den 4er einen satten Aufpreis hinblättert, macht der 3er Touring ihn an so einigen Ecken ausstattungstechnisch regelrecht nass. Die Plattform ist ja absolut identisch, aber beim 4er hat der Controller entweder gnadenlos den Rotstift angesetzt oder die Form siegt eben komplett über die Funktion.
Hier mal meine persönliche Liste im direkten Vergleich:
- Die Akustik: Beim G21 gibt es die optionale Doppelverglasung für die Seitenscheiben, was ihn zur flüsterleisen Reiselimousine macht. Beim G26? Rahmenlose Türen. Sieht genial aus, bedeutet aber eben auch: Keine Akustikverglasung lieferbar und auf der Autobahn immer eine Nuance lauter als der Kombi.
- Die Heckscheibe: Die separat öffnende Heckscheibe des G21 ist ein absolutes BMW-Heiligtum. Klar, das ist beim G26 aufgrund der coupéhaften Heckklappe rein konstruktionsbedingt überhaupt nicht machbar – aber im Alltag ist es im Vergleich zum Kombi eben ein spürbarer Komfortverzicht.
- Der Kofferraum: Wo der 3er mit den genialen, aufblasbaren Anti-Rutsch-Schienen glänzt, gibt es im G26 einfach nur flachen Filzboden.
- Der Blick nach oben: Das Panorama-Glasdach im G21 flutet den Innenraum mit Licht. Im G26 reicht es wegen der flachen Dachlinie ebenfalls konstruktionsbedingt nur für eine eher schmale Luke.
- Der Fond: Keine integrierten Sonnenrollos in den Türen (wohin auch ohne Fensterrahmen?) und spürbar weniger Kopffreiheit für Passagiere.
Wenn man das so durchgeht, liegt der Verdacht nahe: Aus Sicht der Produktion ist das Gran Coupé für BMW wahrscheinlich eine absolute Goldgrube. Die ganze mechanische Komplexität des Tourings – von der geteilten Heckklappe über die aufwendigen Schienensysteme bis zum riesigen Panoramadach – wurde hier elegant eingespart.
Ich sehe den Controller in München förmlich vor mir, wie er meine Theorie empört abstreiten würde: „Aber allein die mikroprozessorgesteuerte Scheibenabsenkung beim Türöffnen kostet ein Vermögen in der Validierung!“ …und sich dabei heimlich ins Fäustchen grinst, während er die Rendite des G26 feiert. Wir bezahlen hier im Grunde einen ordentlichen Aufpreis für weniger Materialschlacht und weniger funktionale Komplexität – genial verpackt als ästhetischer Purismus. Wer die Ironie übrigens komplett auf die Spitze treiben will, schaut zum zweitürigen G22 Coupé: Da lässt BMW auch noch zwei Türen und die hinteren Fensterheber weg, verlangt trotzdem noch mehr Geld und lässt den Controller endgültig die Champagnerkorken knallen.
Und das Verrückte daran? Es funktioniert.
Jedes Mal, wenn ich mein Auto anschaue und einsteige, ist mir der Controller völlig egal. Der G21 ist ohne Zweifel das vernünftigere, leisere und durchdachtere Auto. Aber der G26 hat einfach das Herz auf seiner Seite. ![]()
Wie seht ihr das? Habt ihr beim Vergleich ähnliche Punkte entdeckt, wo der 3er den 4er funktional aussticht?
Schöne Grüße